11. April 2018

Inklusion ist gesamtgesellschaftliche Aufgabe – auch Gymnasien müssen sich beteiligen

Heute wurde aus der Presse bekannt, dass das Gymnasium Horn gegen die Bildungsbehörde juristische Schritte eingeleitet hat, um die Einrichtung einer Inklusionsklasse an der eigenen Schule zu verhindern. Diese soll eigentlich zum kommenden Schuljahr, also ab August 2018, dort ihren Unterricht aufnehmen.

Kristina Vogt, Vorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Bremischen Bürgerschaft, kommentiert die Klage des Gymnasiums: „Die Inklusion von Menschen mit Behinderung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der es übrigens um die Umsetzung einer verbindlichen UN-Konvention geht. Sie betrifft damit alle Schulen, auch die Gymnasien. Dass sich nun eine Schule juristisch gegen diese pädagogisch und gesellschaftlich sinnvolle Veränderung wehrt, ist ein fatales Signal. Hier werden Ausgrenzung und Abschottung zementiert, statt Barrieren einzureißen. Natürlich muss die Ausstattung der Schule mit Personal und Räumen stimmen, um die Inklusionsaufgabe übernehmen zu können, dafür kämpfen wir gerne gemeinsam mit der Schule. Aber für das grundsätzliche Ablehnen des gemeinsamen Unterrichts habe ich kein Verständnis. Die Schulleitung sollte die Klage schleunigst zurückziehen."

Weiter erklärt Vogt zum allgemeinen Stand der Inklusion in Bremen: „Dass aktuell fast ausschließlich die Oberschulen die Inklusion schultern, ist falsch und hat dazu geführt, dass diese Schulform bisher über Gebühr belastet wurde. Das Vorgehen der senatorischen Behörde, nach und nach auch an Gymnasien Inklusionsklassen einzurichten, ist daher richtig. An den Gymnasien Links der Weser und Vegesack hat dies ja auch schon erfolgreich funktioniert. Parallel muss allerdings auch insgesamt die Ausstattung für inklusiven Unterricht massiv verbessert werden. Es fehlt an Personal, Zeit für Teamabsprachen und entsprechend ausgestatten Räumen an den inklusiv arbeitenden Schulen, das hat der wissenschaftliche Evaluationsbericht zur Bremer Schullandschaft ergeben. Der Senat muss also nicht nur die Inklusionsaufgabe auf möglichst viele Schultern verteilen, er muss sie auch finanziell und organisatorisch viel besser absichern."