5. März 2018

Schulreform verfehlt Ziel, soziale Auslese an Bremer Schulen zu beschränken

Seit heute liegen die Ergebnisse der Evaluation der Bremer Schulreform vor.  Die Studie zeigt, dass das seit zehn Jahren gültige System aus Oberschulen und Gymnasien zwar über eine hohe Akzeptanz verfügt, sich die soziale Ungleichheit hinsichtlich der Erreichung von Schulabschlüssen nicht verringern konnte.

Kristina Vogt, Vorsitzende und bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE in der Bremischen Bürgerschaft, kommentiert die heute vorgestellten Ergebnisse: „Der Evaluationsbericht zeigt deutlich, dass das wesentliche Ziel der Oberschule noch nicht erreicht wurde. Diese sollte dazu beitragen, dass in Bremen der Bildungserfolg nicht mehr so stark wie bisher vom Elternhaus abhängt. Insbesondere die Übergangszahlen in die gymnasiale Oberstufe zeigen aber, dass dies nicht gelungen ist. Die Abiturquote von Kindern aus sozial benachteiligten Elternhäusern konnte nicht erhöht werden. Auch ist es insgesamt nicht gelungen, die Qualität des Bremer Bildungssystems zu steigern.“

Vogt sieht eine Ursache für die Probleme in der weiterhin uneinheitlichen Schulstruktur: „Problematisch ist, dass Gymnasien sich nur bedingt an der Inklusion beteiligen, weil viele Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf keine Empfehlung für den Besuch des Gymnasiums erhalten. In der Gemengelage einiger Stadtteile -  Armut, Zuwanderung, hohe Inklusionsquote - haben die Oberschulen deshalb nicht die gewünschte Akzeptanz. Deshalb müssen Oberschulen gezielt gestärkt werden, insbesondere in den Stadtteilen in denen die sozialen Probleme groß sind. Sie benötigen zusätzliche Ressourcen, um Kinder individuell fördern und spannende Schwerpunkte bieten zu können.“

Die Umsetzung der Inklusion bleibt insgesamt die zweite große Baustelle an den Bremer Schulen. Vogt: „Seit ihrer Einführung ist die Inklusion nicht ausreichend mit Personal ausgestaltet. Es fehlen sonderpädagogische Fachkräfte aber auch persönliche Assistenzen für die Kinder. Bremen braucht dringend zusätzliches Personal und einen anderen Personalmix an Schulen, zudem muss die Grundzuweisung für Inklusion an allen Schulen erhöht werden. Zum kommenden Sommer werden aber nur 15 Grundschulen gestärkt und erhalten weitere Inklusionsmittel, das reicht bei weitem nicht.“

Zusätzliche Stellen allein werden laut Vogt aber nicht erfolgreiches inklusives Lernen an den Schulen ermöglichen: „Die Evaluation hat klar gezeigt, dass es den Lehrkräften an Zeit fehlt, um gemeinsam Unterricht zu entwickeln oder individuelle Förderpläne aufzustellen. Um diese Kooperationen zu ermöglichen, müssen daher zukünftig Teamzeiten in die Stundenpläne eingebaut werden. Hierfür muss die Unterrichtsverpflichtung reduziert werden.“

Insgesamt lautet Vogts Fazit zur vorgelegten Evaluation: „Es ist gut, dass die Evaluation durchgeführt wurde, denn die Schwachstellen des Bremer Bildungssystems liegen nun offen zutage. Wir sollten jetzt keine lange Diskussion mehr über die Ergebnisse führen, sondern schnell die notwendigen Maßnahmen beschließen, um die soziale Spaltung im Bremer Schulsystem zu überwinden.“